Ein heiß umkämpftes Viertelfinale im Bitburger-Pokal verliert Alemannia Aachen erst in der Verlängerung gegen den Drittligisten Viktoria Köln. Das entscheidende Tor für die Kölner im Flutlichtspiel auf dem Tivoli erzielte vor 7.300 Zuschauern Jamik Siebert (95.).
Vor dem Spiel gab es eine freudige Nachricht für alle Alemannia-Fans: Stadionsprecher Robert Moonen verkündete vor der Partie live im Stadion, dass Torhüter Marcel Johnen seinen Vertrag am Tivoli verlängert hat. Damit rückte er auch wieder in das Tor der Schwarz-Gelben. Zudem veränderte Helge Hohl seine Elf auf zwei weiteren Positionen. Jannik Mause kehrte ins Sturmzentrum zurück und auch Sebastian Schmitt startete wieder von Beginn an. Vor Anpfiff schien es auf dem Papier klar – Drittligist Viktoria Köln ging als Favorit gegen Regionalligist Alemannia Aachen in das Spiel. Die Alemannen ließen sich davon aber nicht beeindrucken, sondern gingen mutig ins Spiel. Nach fünf gespielten Minuten versuchte Franko Uzelac, der wie bereits in Ahlen mit Aldin Dervisevic und Lukas Wilton die Dreierkette bildete, es zentral aus 18 Metern. Sein Schuss ging aber knapp am rechten Pfosten vorbei. Nach einem Pressschlag im Mittelfeld tauchte Seokju Hong im Strafraum vor Torhüter Johnen auf. Die Nummer 38 der Viktoria wartete allerdings zu lange, wodurch Uzelac gerade noch den Ball weggrätschen konnte. Nach der Anfangsphase hatte der Gast aus Köln zwar etwas mehr Ballbesitz, konnte daraus aber kein Kapital schlagen. Stattdessen begann nach gut 20 gespielten Minuten eine starke Phase der Schwarz-Gelben. Die Aachener pressten hoch und setzten den Gegner immer wieder in der eigenen Hälfte unter Druck. Die nächste Gelegenheit kam über die linke Seite, als Mause sich durchsetzte und den Ball ins Zentrum brachte. Der zu kurze Klärungsversuch landete vor den Füßen von Freddy Baum, der mit seinem Schuss das Tor nur knapp verpasste (26.). Auch ein satter Schuss von Marco Müller ging abgefälscht nur knapp über das Tor (27.). Die Alemannia zeigte sich als Underdog als die spielbestimmende Mannschaft, Viktoria hingegen hatte Probleme in der ersten Halbzeit Akzente zu setzen. Folgerichtig kamen die Kaiserstädter in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit nochmal zu einer Riesenchance. Aus einer eigentlich ungefährlichen Situation heraus spielte ein Verteidiger der Gäste den Ball zu kurz zum Torwart zurück, sodass Sebastian Schmitt und Elsamed Ramaj zu zweit alleine auf den Torwart zuliefen. Der Ballführende Schmitt legte die Kugel allerdings nicht quer auf Ramaj, sondern versuchte es selbst. Torwart Ben Voll räumte Schmitt im Strafraum ab – Schiedsrichter Nico Fuchs zeigte aber an, dass der Ball gespielt wurde (45.+2). Mit dieser umstrittenen Entscheidung ging es für die Halbzeitpause in die Kabinen.
Nach Wiederanpfiff war es die Viktoria, die die erste Chance hatte. Patrick Koronkiewicz brachte den Ball gefährlich vor das Tor. Dort beförderte der eingewechselte Simon Stehle den Ball aus wenigen Metern nur knapp über das Gehäuse (47.). Im Anschluss hatten aber auch die Alemannen wieder eine Möglichkeit, das erste Tor zu erzielen. Über eine schöne Kombination von Dino Bajric und Schmitt landete der Ball im Zentrum bei Mause, der in Rücklage allerdings über das Tor schoss (55.). Auch die Viktoria kam zu einer weiteren Schussmöglichkeit: Robin Meißner zog von der rechten Seite nach innen, Schmitt rutschte aus, wodurch der Kölner frei zum Schuss kam. Dieser ging zu schwach geschossen allerdings direkt in die Arme von Johnen (59.). Mit zunehmender Spieldauer erlangte die Gästemannschaft in der zweiten Halbzeit mehr Spielanteile. „Ab der 70. Minute etwa hat man gemerkt, dass unsere Spielweise Kräfte gekostet hat“, beobachtete auch Hohl, dass seine Mannschaft das Tempo zwar nicht mehr ganz weitergehen konnte, aber immer noch unerbittlich um jeden Ball kämpfte. Und so gab es trotzdem weitere Chancen für Alemannia. Erst verfehlte Held nach einem geklärten Freistoß mit einer wuchtigen Direktabnahme aus über 30 Metern das Tor nur knapp, dann sollte Mause eine letzte Chance in der regulären Spielzeit bekommen, um als Sieger vom Platz zu gehen (70.). Der Stürmer kam über die linke Seite an seinem Gegenspieler vorbei, zog in den Strafraum und visierte das lange Eck an – drüber (83.). In der Nachspielzeit hätten dann auch die Kölner noch das Siegtor erzielen können, eine gefährliche Kopfballchance von Meißner verfehlte aber das Ziel (90.+2). Somit ging es für die beiden Mannschaften in einem echten Pokalfight am Mittwochabend in die Verlängerung. Die erste Möglichkeit der zusätzlichen 30 Minuten führten dann auch direkt zum Tor. Ein Freistoß aus großer Entfernung wurde lang in den Strafraum gespielt, per Kopfballverlängerung landete der Ball im Zentrum bei Jamil Siebert. Johnen ging noch dazwischen, der Kölner beförderte den Ball aber irgendwie über die Linie (95.). Die Alemannen versuchten mit Leidenschaft und Wille in den restlichen Spielminuten noch einmal alles Mögliche, um den Ausgleich noch zu erzielen. Am Ende von hart umkämpften 120 Minuten mussten die Schwarz-Gelben aber als Verlierer vom Platz gehen und schieden damit aus dem Bitburger-Pokal aus. Trainer Hohl kam nach der Niederlage aber zu einem wichtigen Fazit: „Das ist eine Spielweise, mit der wir uns identifizieren. Natürlich sind wir alle enttäuscht – am Ende des Tages können wir heute Abend aber alle in den Spiegel schauen und wissen, dass wir heute alles gegeben haben.“